Erste Reinigungsaktion

Experiment Baumscheibe: Ein kleiner eigener Garten in Hamburg

Tagein tagaus gehen wir daran vorbei: an einem Bäumchen auf ca. 4 qm Grünfläche. Leider verdient die Grünfläche diese Bezeichnung jedoch gar nicht, denn seitdem der Baum gepflanzt worden ist, verunkrautet und verwildert die Stelle zusehends! Die Stadt scheint sich nicht weiter um das Grün zu kümmern – der Baum wird ab und zu gegossen, das war’s. Und was sollte man da auch schon großartig tun? Einfach selber Unkraut rausreißen und neu bepflanzen? Dann würde man Gefahr laufen, dass eines Tages die Stadt ankommt und alles wieder entfernt und illegal wäre das Bepflanzen auch gewesen.

Anstelle dessen habe ich direkt bei der Stadt angefragt, was man als Anwohner tun könnte. Da es für solche Belange keinen offiziellen Ansprechpartner gab, habe ich meine Nachricht ans Bezirksamt Wandsbek gesendet. Prompt kam einige Tage später eine Nachricht der zuständigen Stelle, die besagt, dass es Patenschaften für Grünflächen geben würde, in diesem Fall für die “Baumscheibe” vor unserem Haus. Und im Anhang habe ich auch direkt einen Vertrag gefunden, den ich ausgefüllt an die Stadt zurückschicken solle. Gesagt getan und so war ich kurzerhand zur Patin für 4 qm Straßengrün in Hamburg geworden. Ein eigener kleiner Garten vor der Haustür… ;)

Doch Julian und ich hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommen sollte! Innerhalb von zwei Wochen holten wir ganze Säcke an Unrat da heraus. Darunter waren unter Anderem mehr als 10 Schnapsflaschen, kaputte Bierflaschen, Zigarettenschachteln, BiFi-Verpackungen usw. Es war schrecklich! Aber wie durch ein Wunder haben wir uns nicht einmal an dem ganzen Müll verletzt. Außerdem lag eine dicke Schicht alter Laubblätter von den Platanen nebenan auf der Fläche, die zusammen mit allerlei “Unkraut” auch entfernt werden wollten. Doch irgendwann waren wir auch damit fertig und so ging es daran, die Erde zu bearbeiten, alles umzugraben und einigermaßen einzuebnen. Die Arbeiter, die den Baum gepflanzt hatten, haben damals die Erde nämlich so liegen gelassen, wie sie sie ausgegraben hatten.

Hier seht ihr einen Zwischenstand nach der ersten Reinigungsaktion. Da waren wir gerade mit dem Gröbsten durch:
Erste ReinigungsaktionErste Reinigungsaktion

Letzten Endes waren wir auch damit dann fertig und wir konnten uns Gedanken machen, was hier nun alles gepflanzt werden sollte. Blumen sollten es sein, einheimische wären super! Sodass die Insekten in der Stadt eine Verschnaufpause einlegen könnten. Wir kauften also einige Sommerblumen, einige Arten Nelken, Tausendschönchen, Anemonen und Schlüsselblumen. Zusätzlich bekamen wir von meinen Eltern noch Astern, Studentenblumen, Mohn und Akelei geschenkt. All das pflanzten wir binnen weniger Wochen. Auch eine Dahlie und einige Gladiolen fanden in dem Beet Platz.

erste Reinigungsstation

Auf diesen Bildern ist sehr schön zu sehen, was mit dem Beet passiert, wenn man es für ein paar Wochen in Ruhe lässt: Es sammelt sich Müll an (schon wieder eine Bierflasche!) und allerhand Blätter:
Müll im BeetAufnahme eines Zwischenstandes

Mittlerweile hat nun einiges schon in dem Beet geblüht. Es gab Höhepunkte (die Dahlienblüte, der Mohn und die ersten Insekten auf den Blüten) und Rückschläge (wochenlange Trockenheit in der wir jeden Tag Wasser vom 3. Stock schleppen mussten um die Blumen zu gießen). Auch hatten wir unseren ersten Blumendieb zu verzeichnen: Ganze fünf Studentenblumen, die in voller Blütenpracht standen wurden gestohlen. Nur eine einzige Pflanze wurde stehen gelassen! Es ist echt traurig, wenn Anwohner bzw. Passanten es nicht zu schätzen wissen, dass etwas für die Allgemeinheit getan wird. Aber leider kann man bei solchen Ereignissen nicht weiter machen.

Demnächst werden evtl. noch weitere Pflanzen ihren Weg ins Beet finden. Je nachdem, wie sich die Situation mit den Dieben weiter entwickeln wird. Wenn es ganz hart kommt, dann wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als eine Tüte Blumensamen zu kaufen und diese auszusäen. Wenn dann etwas wegkommt, ist es aufgrund des geringeren Aufwands wahrscheinlich eher zu verkraften. Bis dahin bleibt uns nur, uns weiter um die Pflanzen im Beet zu kümmern und zu hoffen, dass sie weiterhin blühen und gedeihen werden! ;)

Hier wieder ein Stand nach einer Reinigungsaktion.
Nach der zweiten ReinigungsaktionNach der zweiten Reinigungsaktion

Hier seht ihr unseren blühenden Mohn und die blühende Dahlie. Wider Erwarten ist die Dahlie statt Gelb in Rot erblüht. Aber das sieht auch toll aus :)
Blühender MohnBlühende Dahlie

4 Kommentare zu “Experiment Baumscheibe: Ein kleiner eigener Garten in Hamburg

  1. wiebke

    toll euer engagement..mein tipp pflanzt ungewöhnliches..und wildblumensaaten sind echt schön…dazu calendula..dill..
    ich habe flachs ausgesäht in meinem garten,blüht schön blau ,
    macht einen kleinen maschendrahtzaun rundherum daran wicken ranken lassen.. Stockrosen..vielleicht auch erbsen..viele minzen sind einfach schön., eine Himbeere.., Erdebeere…die kinder in wilhelmsburg haben auf dem igagelände wunderbar ihre hochbeete bepflanzt.. liebe grüße wiebke

    • Kathleen

      Hey Wiebke!
      Vielen Dank für die vielen tollen Pflanzideen! Wir werden dieses Jahr wahrscheinlich nichts Neues mehr ins Beet pflanzen. Aber nächstes Jahr werden wir deine Vorschläge bestimmt mit berücksichtigen!
      Liebe Grüße
      Kathleen

  2. Margrit

    Ich finde ihr hab euch echt viel Mühe gemacht. Durch eure Arbeit sieht das ganze Umfeld viel schöner aus.
    Macht weiter so.

  3. Teresa

    Es ist immer Grund zum Aerger, wenn andere Ergebnisse unserer Arbeit vernichten, besonders, dass man das auch fuer diese anderen tut. Habt vielleicht an Funkien gedacht? Bei mir klappt es gut mit Krokussen in allen moeglichen Farben. Sobald die Krokussen verbluehen, fangen die Funkien ihr neues Wachsen an. Nach zwei Jahren auch keinen Probleme mit Unkraut – die ganze Flaeche ist mit praechtigen Funkienblaettern bedeckt :)

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