Bienenhotel auf dem Balkon

Wir geben Bienen ein Heim – Insektenhotel DIY und Upcycling

Fast noch pünktlich kommt heute unser DIY-Projekt für den Mai, bei dem Tristan natürlich auch wieder kräftig mitgeholfen hat. Wir haben uns Werkzeug und Malermaterial geschnappt und unseren Balkon bienenfreundlicher gestaltet.

Status-Quo auf dem Balkongarten

Vor ein paar Jahren hatte ich schon einmal ein Insektenhotel zum Geburtstag geschenkt bekommen. Da hatte ich mich sehr gefreut. Es ist aber nie jemand eingezogen. Warum, haben wir erst mit der Zeit gelernt. Nun wollten wir es endlich besser machen. Dieses neue Wissen haben wir jetzt auf unseren Balkongarten angewendet und wollen euch an dem daran teilhaben lassen.

Altes Insektenhotel

Was können wir tun?

“Bienensterben” oder “Insektenschwund” sind in aller Munde. Es ist schick geworden, sich für die Bienen einzusetzen. Aber ist es auch sinnvoll? Ja und ob! Im Gegensatz zu den Honigbienen, die als Nutztier gezüchtet und immer weiter vermehrt werden, haben es die Wildbienen wesentlich schwerer in der derzeitigen Agrarlandschaft noch genügend Nahrung zu finden. Allein in unseren Gärten, auf Balkonen und in begrünten Hinterhöfen haben sie noch die Chance das ganze Jahr über ausreichend Blüten zu finden um sich selbst und den Nachwuchs zu versorgen. Denn die meisten Wildbienen sind Solitärbienen und somit ganz alleine für ihren Fortbestand verantwortlich.

Und genau hier kann man ansetzen. Was brauchen diese Wildbienen um sich ernähren und fortpflanzen zu können? Wo finden sie Schutz vor Witterung und Prädatoren?

Der Reigen der Wildbienen startet im Frühling mit den Mauerbienen. Sie nisten bevorzugt in Röhren oder großen Fraßgängen im Holz. Es eignen sich Röhren aus verschiedenen Materialien, z.B. Schilf, Bambus oder Pappröhrchen. Natürlich kann man auch Löcher in ein Stück Holz bohren. Hört sich prinzipiell einfach an, oder? Es gibt aber ein paar Dinge zu beachten:

  • Niströhren und Bohrungen müssen mindestens 10 cm tief sein, denn Wildbienen legen die weiblichen Eier nach ganz hinten und die männlichen nach vorne. Ist die Nistmöglichkeit nicht tief genug, schlüpfen somit nur männliche Bienen.
  • Die Öffnungen müssen glatt geschliffen sein, damit sich die Bienen nicht ihre Flügel verletzen können, wenn sie zur Eiablage rückwärts hineinkriechen.
  • Die Röhren müssen leer und am hinteren Ende geschlossen sein.
  • Bei Bohrungen ins Holz darf nur Kantholz verwendet werden. Stirnholz (das, wo man immer wunderbar die Jahresringe zählen kann), kann viel zu schnell einreißen, wodurch Pilze in die Brut eindringen können.
  • Für das Holz bitte nur Hartholz und kein Weichholz verwenden. Keine Nadelhölzer, da sie zu viel Harz enthalten.
  • Bohrungen und Niströhren sollten auf jeden Fall unterschiedliche Durchmesser haben, da nicht nur Mauerbienen ein Zuhause suchen. Bietet ruhig alles von 3 bis 8 mm Größe an :)

Wenn ihr also ein Insektenhotel bei euch habt, das mit Holzschnitzeln, Tannenzapfen o.Ä. bestückt ist und ihr euch wundert, dass da niemand einzieht, wird es höchste Zeit ihm ein Upgrade zu verpassen, sodass es für Wildbienen attraktiv wird :)

Das Bienenhotel in seiner einfachsten Form – Konservendosen-Upcycling

Die einfachste Form eines funktionierenden Insektenhotels ist eine mindestens 10 cm tiefe Konservendose, die mit unterschiedlichen Röhren bestückt wird.

Damit die Konservendose auf dem Balkon noch was hermacht und nicht einfach metallisch glänzt, haben Tristan und ich sie bunt bemalt.

Konservendose bemalen

Tristan bemalt seine HandTristan bemalt seine Hand

Da Schilf im Frühling nicht mehr geschnitten werden darf und wir keinen Bambus in der Nähe haben, haben wir einige Pappröhren mit unterschiedlichen Durchmessern auf bienenhotel.de bestellt.

Pappröhren für die Dose

Ich habe mich bei der Menge ein wenig verschätzt und so hatten wir in der Konservendose noch sehr viel Platz. Um diesen auszufüllen (es darf nichts wackeln in der Dose!), haben wir noch geeignetes Stroh zurechtgeschnitten. Tristan war begeistert beim Schneiden dabei :)

Strohhalme zurechschneiden

Mit den Pappröhren und dem Stroh haben wir ganz eng in die Dose gefüllt. Mittlerweile steht sie an einem trockenen, halbschattigen Platz auf dem Balkon und wartet sehnsüchtig auf die ersten Gäste. Die Zeit der Mauerbienen ist aktuell schon vorbei und so hoffen wir gerade auf ein paar Scheren-, Furchen- oder Maskenbienen als Gäste. Für sie sind dann vor allem die kleineren Röhren geeignet :)

Bienenhotel fertig gefüllt

Aus alt mach neu: Insektenhotel wird bienenfreundlich renoviert

Unser altes Insektenhotel haben wir natürlich auch in ein bienenfreundliches Zuhause umgewandelt. Als Erstes mussten wir den gesamten Altbestand natürlich entfernen.

Altes Insektenhotel

Zufällig hatte sich nun doch eine Biene in einem Röhrchen eingenistet. Ich habe es ganz vorsichtig als erstes herausgenommen und zur Seite gelegt, damit die Brut im Inneren nicht beschädigt wird. Das Vorgehen war auf jeden Fall von Erfolg gekrönt, denn ein paar Tage später habe ich entdeckt, dass die Bienchen tatsächlich geschlüpft sind :)

Gefüllte Röhre und geschlüpft

In einem anderen Röhrchen habe ich am Ende sogar eine dicke Larve gefunden. Ich war unsicher ob sie noch lebt, deshalb bin ich auch mit ihr ganz vorsichtig umgegangen. Am anderen Ende fiel dann tatsächlich eine Scherenbiene heraus! Sie war schon lange tot, aber noch perfekt erhalten.

Scherenbiene

Alles andere habe ich einfach aus dem Insektenhotel herausgenommen. Den Draht konnte ich leider nicht zu 100% entfernen, habe ihn aber so gebogen, dass er kein Verletzungsrisiko darstellen kann.

Inhalt entfernen

Anschließend habe ich das Bienenhotel mit Fingerfarben angemalt. Ich habe mal gelesen, dass Wildbienen sich von der Farbe Grün angezogen fühlen sollen. Also wurde der Rahmen grün. Das Dach bekam einen gelben Anstrich und die Florfliegen-Höhle in der Mitte wurde Rot (soll wohl deren Lieblingsfarbe sein).

Den alten Inhalt habe ich nicht komplett weggeworfen. Den Bambus habe ich gereinigt und komplett vom Mark befreit. Die Holzteile habe ich tiefer durchbohrt (die alten Bohrungen waren nur wenige Zentimeter tief). Den oberen und unteren Bereich hab eich mit Lehm gefüllt, den hatten wir noch von den Samenbomben übrig. Dort hab eich mithilfe eines Schaschlikspießes und eines Bleistifts bis zum Boden Löcher rein gedrückt. Die Holzstücke und Bambusröhren habe ich mithilfe von Holzleim wieder im Insektenhotel befestigt.

Bienenhotel bemalen

Bis der Lehm getrocknet war, lagerte ich das Insektenhotel liegend auf dem Boden und schön in der Sonne. Der Lehm ist ein ganzes Stück geschrumpft, aber zum Glück nicht gerissen!

Anschließend habe ich ganz vorsichtig die belegten Röhren wieder eingesetzt.

Bienenhotel auf dem Balkon

Da wir auf dem Balkon nicht bohren dürfen, habe ich mir Klebeschrauben besorgt und das Insektenhotel daran angebracht. Nun schmückt es die Wand über dem Johannisbeerbäumchen. Und passt es nicht super auf unseren kunterbunten Balkongarten? :)

Und jetzt?

Heißt es warten! Umschwirrt werden die nun vollwertigen Bienenhotels täglich von verschiedenen kleinen Wildbienen, aber es ist noch nicht zu sehen, ob sie auch nisten werden. Auch eine Kuckucksbiene hatte sich zwischenzeitlich eingefunden (sie parasitieren die Gelege der anderen Wildbienen). Es ist also aktuell sehr spannend und jeden Tag entdecken wir etwas Neues! Das Upgrade und der Neubau haben soll absolut gelohnt und wir freuen uns schon sehr auf all die neuen Untermieter :D

Setzt ihr euch auch für Bienen und ihre Verwandten ein? Habt ihr ein Hotel oder pflanzt ihr lieber Nahrungsblumen für die Tierchen? Vielleicht habt ihr ja auch noch einen Tipp für uns. Wir freuen uns darauf!

Bis bald!

Tristan & Kathleen

2 Kommentare zu “Wir geben Bienen ein Heim – Insektenhotel DIY und Upcycling

  1. Das ist ja toll geworden und Ihr seid ja richtige Bienenexperten! Ich habe ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung, wer da bei mir alles wohnt. Wir haben auch ein Insektenhotel …. aber auch viele Pflanzen, die Bienen als Nahrung dienen. Am besten bewährt hat sich hier ein sogenannter Bienenstein aus Ton. Mit diesen Pappröhrchen bin ich weniger zufrieden. Da werden, wenn überhaupt, nur die ganz dünnen bezogen.
    Ein schönes Wochenende wünscht Euch
    Margit

    • Kathleen

      Hallo Margit,
      die Pappröhrchen müssen sich bei uns auch noch bewähren. Sie sind ja eher eine Anschaffung in der Not gewesen. Ich hätte liber selber Bambusröhren genommen, habe aber keine Ahnung wo ich die herbekommen kann :/ Das Wissen um die Bienen hat sich auch erst mit der Zeit eingestellt. Eine Facebookgruppe hat da ordentlich zu beigetragen ;)
      Liebe Grüße
      Kathleen

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