Wespe trinkt aus Nussschale

Ein Lebensraum für Wespen

Wespen – sie sind immer ein Streitthema. Auf der Gartenparty und beim Grillen stören sie. Sie werden als aggressiv bezeichnet und jeder hat Angst vor den Stichen. Doch sind sie wirklich so schlimm? Ein Plädoyer für die Familie der Wespen.

Wir haben Wespen aus einem ganz anderen Blickwinkel kennengelernt. Sie sind häufige Gäste bei uns. Ständig waren sie im Schlafzimmer. Ungünstig, also kam ein Insektennetz vor das Fenster. Fliegen sie ins Wohnzimmer, fangen wir sie in einem Glas, beobachten sie kurz und setzen sie wieder aus. Auch auf dem Balkon besuchen sie uns sehr oft. Irgendwo am Haus wird wohl ein Nest sein. Wer weiß das schon? Es stört uns wirklich nicht. Denn aggressiv oder aufdringlich sind sie nie. Wir wurden hier bei uns noch nie gestochen.

In Deutschland gibt es viele Wespenarten, mehr als ich erwartet hatte. Ihr Nahrungsspektrum ist ganz unterschiedlich. Die erwachsenen Tiere nehmen sowohl Pollen und Nektar zu sich als auch andere Insekten und tierische Stoffe. Die Larven werden von erbeuteten Insekten ernährt. Dabei stehen einige Arten besonders auf eiweiß- und zuckerreiche Lebensmittel, die wir Menschen gern konsumieren. Wen wundert es, dass eine hungrige Wespe dann mitunter als aggressiv wahrgenommen wird, obwohl sie nur ein Stückchen vom Kuchen haben möchte?

Übersicht der heimischen Wespenarten

Aber was wollen die Wespen gerade bei uns auf dem Balkon? Wahrscheinlich finden sie hier Wasser, Nahrung und Schutz. Lebensnotwendige Dinge, auch für Wespen.

Wasser finden die Wespen bei uns natürlich auch an der Hummeltankstelle, denn das Wasser ist für alle da.

Wespen trinken an der Hummeltankstelle

Selbst in den leeren Walnussschalen von Eichhörnchen Maria sammelt sich nach einem Regenschauer das Wasser und lädt die Wespen zum Trinken ein. Ganz nebenbei ist so eine Nussschale auch eine ideale Tränke für Insekten, weil sie nicht hinein fallen können.

Wespe trinkt aus Nussschale

Wir bieten den Wespen nicht konkret Nahrung auf unserem Balkon an. Aber erswachsene Wespen ernähren sich z.B. auch von Honigtau. Und der ist auf unserem Johannisbeerbäumchen mehr als reichlich vorhanden. Ich weiß zwar nicht, wo all die Blattläuse stecken, die das Zeug produzieren, den Wespen schmeckt es aber vorzüglich. Und den Hummeln übrigens auch, ganz nebenbei bemerkt ;)

Wespe trinkt Honigtau

Zur Familie der Wespen gehören auch die Hornissen. Wem die Wespe schon Angst macht, der wird vor der Hornisse wahrscheinlich richtig Panik bekommen. Sie ist groß und es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ihr Gift schlimmer ist als das der Wespen. Doch es bleibt ein Gerücht. Das Gift der Hornisse ist eher dem der Honigbiene ähnlich. Schlimmer als das der Wespe ist es auf keinen Fall.

In Momenten, in denen die Wespen gern mal aufdringlich werden, kann man sich sogar glücklich schätzen, wenn sich eine Hornisse, oder gleich ein ganzes Volk, in den eigenen Garten verirrt. Denn wo Hornissen leben, gibt es weniger Wespen. Und Mücken. Denn Hornissen brauchen Eiweiß als Nahrung. In Form von Wespen. Oder Mücken ;)

Hornisse frisst eine Wespe

Hornissen sind im Gegensatz zu Wespen extrem lernfähige und schlaue Tiere! Sie halten Eindringlinge, die dem Nest zu nahe kommen, in passendem Abstand. Dabei können sie sich aber an Menschen gewöhnen. Ich möchte euch eine Geschichte aufschreiben, die ich letztens von einem ehemaligen Feuerwehrmann gehört habe, der früher häufig mit Wespen und Hornissen zu tun hatte: Bei ihm hat eine Hornissenkönigin ihr Nest direkt über der Haustür gebaut. Alle Hausbewohner mussten zwar für ein paar Wochen diesen Bereich meiden, danach konnten sie aber ohne Probleme wieder ein- und ausgehen. Denn die Hornissen hatten gelernt, dass von den Hausbewohnern keine Gefahr ausging. Kam allerdings ein Gast vorbei, brauchte der sofort Geleitschutz, denn die Hornissen haben direkt erkannt, dass es sich um eine fremde und potenziell gefährliche Person handelt. Besser als jede Alarmanlage, wenn ihr mich fragt ;)

Hornisse

Wir hatten letztens eine schwache Hornisse auf dem Balkon. Doch was muss man da machen? Wie kann man einer schwachen Hornisse helfen? Honig braucht sie nicht, und Wasser war reichlich vorhanden. Eiweiß ist des Rätsels Lösung! Das kann auch gern eine frisch gefangene Stubenfliege sein. Die Hornisse wird sie mit Dank annehmen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar spannende Einblicke und ein wenig Verständnis für diese faszinierenden Tiere mitgeben. Bitte geht mit Wespen gelassener und verständnisvoller um. Sie wollen euch ganz bestimmt nichts Böses und sind nur auf Futtersuche für sich und ihren Nachwuchs

Bis bald!

Eure Kathleen

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