Wohnungsgarten

Wie man sich Unkraut auf dem Balkon zunutze machen kann

Unkraut im Garten ist nicht nur dort störend, sondern auch auf dem Balkon. Bevor wir jedoch mit dem Jäten beginnen oder gar mit der chemischen Keule liebäugeln, lohnt sich ein genauer Blick um das vermeintliche Unkraut zu bestimmen. Denn was gemeinhin als nervig empfunden wird, kann einem ganz einfach zeigen, welche Standortbedingungen vor Ort herrschen und welche „richtigen“ Gartenpflanzen sich dort wohlfühlen können.

Eine junge Pflanze im Blumentopf. Was könnte das wohl sein?

Faszination Unkraut

In der Vergangenheit war Unkraut immer nur Unkraut. Ungeliebt und stets ungebeten erscheint es auf jeder Gartenfläche. Mittlerweile haben wir viele der Unkräuter als essbare oder heilkräftige Wildkräuter sowie als wertvolle  Nahrung und Behausung von Insekten wiederentdeckt. So ist die Brennessel nicht nur eine absolute Schmetterlingspflanze, sondern dient im Garten auch als Jauche zur biologischen Schädlingsbekämpfung und für uns Menschen als nährstoffreiches und gesundes Gemüse.

Und Unkraut kann noch mehr! Denn wo wir dem Unkraut an kleiner Stelle freie Bahn lassen, können sie als Zeigerpflanzen gute Aufschlüsse über verschiedenste Standortbedingungen geben. So können wir an den sich von allein ansiedelnden Pflanzen ablesen, wie es um die Bodenbeschaffenheit bestellt ist, welche Witterungsbedingungen vorherrschen und wie viel Lichteinfall vorhanden ist.

Moos lässt auf einen relativ feuchten Standort schließen

Ein bisschen mehr Wildnis zulassen

Gerade auf dem Balkon fällt es schwer tatsächlich einen Platz für Unkraut zu reservieren. Doch das kann sich absolut lohnen! Ein kleiner Balkonkasten reicht schon. Dort hinein füllt man die Erde, die man auch üblicherweise auf dem Balkon verwendet. Dabei sollte man darauf achten, dass keine fremden Samen in der Erde enthalten sind, denn die können die Ergebnisse verfälschen. Ist die Erde eingefüllt, wartet einfach nur ab und schaut, was passiert.

Im Garten lässt man einfach einen kleinen Bereich komplett unbewirtschaftet brach liegen und wartet auch hier ab und beobachtet das Geschehen.

Schon nach kurzer Zeit werden die ersten Samen durch Wind oder Vögel auf die blanke Erde befördert und fangen an zu keimen. Was dann sprießt und sich an dieser Stelle wohl fühlt, muss genauer unter die Lupe genommen werden.

Kleiner Keimling im Blumenkasten. Noch ist schwer zu erkennen, was hier wächst.

Zeigerpflanzen für unterschiedliche Standortbedingungen

Wenn Pflanzen sich an einem Standort wohlfühlen, zeigen sie das durch üppiges Wachstum und wenig Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge. Und Pflanzen fühlen sich bekanntlich nur wohl, wenn sie die für ihre Art besten Bedingungen vorfinden. Dazu gehören zum Beispiel der perfekte Boden, ideale Lichtverhältnisse und Feuchtigkeit.

Je nachdem, welche Pflanzen auf unserer brach liegenden Fläche aufwachsen, können wir also auf die vorherrschenden Bedingungen schließen. Diese Pflanzen nennt man Zeigerpflanzen. Dazu muss man sich freilich mit den Ansprüchen auseinander setzen, die die Pflanzen an ihren Standort stellen.

Eine kleine Übersicht einiger Zeigerpflanzen findet ihr auf Wikipedia. Dort ist zum Beispiel zu lesen, dass das Kletten-Labkraut, dass sich aktuell bei uns auf dem Balkon breit macht, auf stickstoffhaltigem Boden wohl fühlt. Vom Düngen sollten wir in der kommenden Gartensaison also lieber absehen ;)

Auch eine Grasart hat sich in dem Balkonkasten eingenistet. Es könnte das Weiche Honiggras aus der Liste sein. Das würde wiederum auf einen sauren Boden hindeuten.

Gras auf dem Balkon könnte auf einen sauren Boden hindeuten.

Sobald man nun alle Standortansprüche der einzelnen Pflanzen zusammen hat, zeigt sich ein ziemlich rundes Bild der Fläche. Im nächsten Schritt könnte man nun nach (Kultur-)Pflanzen suchen, die sich dort genauso wohl fühlen würden und diese anpflanzen.

Oder man lässt einfach alles so wie es ist und profitiert von den ggf. essbaren Wildkräutern, die sich immerhin von ganz allein ihren perfekten Standort gesucht haben. So wie unser Kletten-Labkraut, das eine tolle Bereicherung für den Mittagstisch darstellt ;)

Habt ihr vielleicht bereits ähnliche Erfahrungen mit Zeigerpflanzen gemacht? Was hat euch das über euren Garten oder Balkon verraten?

Bis bald!

Eure Kathleen

 

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