Tristan schaufelt Kompost in sein Beet

Umweltschutz im Garten: Der Kunststoff im Kompost

Kompost ist das Gold des Gärtners. Das wird auch Junggärtnern und Einsteigern sehr schnell klar. Allzu verwunderlich ist es jedoch manches Mal, dass sich in dem wertvollen Gut Kunststoff findet. Wie kann das sein? Dem möchte ich zusammen mit euch heute auf den Grund gehen.

Kompost ist wichtige Nahrung für unsere Pflanzen, sowohl Blumen als auch Gemüse und Obst. Er liefert ihnen wertvolle Stoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, die sie zum Wachsen, Blühen und Früchte tragen benötigen. Ohne ihn würden unsere Gewächse irgendwann nur noch vor sich hin vegetieren und kaum die Schönheit und Leistung bringen, die wir von ihnen erhoffen. Umso wichtiger ist es, dass der Kompost, den wir unseren Pflanzen geben, von guter Qualität ist.

Kompostwürmer in der Komposterde
Guter Kompost entsteht, wenn viele Lebewesen biologisches Material zersetzen. Der wohl bekannteste Helfer dabei ist der Kompostwurm.

Mikroplastik aus dem Kompostierwerk

Der beste Kompost ist natürlich jener, den man im Garten selbst produziert hat. Hier kommt der berühmte Komposthaufen zum Einsatz. Doch soweit sind wir noch nicht! Denn auch auf dem Balkon und auf der Terrasse möchte man gern Kompost verwenden. Oder der Garten ist erst frisch eingerichtet. In dem Fall wird es natürlich auch noch keinen eigenen Kompost geben. Wie gut, dass sich Komposterde in so einem Fall einfach kaufen lässt, ob im Baumarkt, abgepackt in Tüten, oder im örtlichen Kompostierwerk. Die meisten Gärtner erwarten von solch einer Erde natürlich, dass sie optimal zusammengesetzt ist. Doch auch hier sitzt der Schrecken tief, wenn man die ersten Plastikteilchen in der Hand hat.

Dabei ist die Herkunft dieses Plastiks leicht erklärt, wenn man sich anschaut, von wo die Kompostierwerke ihre Rohstoffe bekommen. Denn nicht nur private Haushalte können in diesen Werken ihre Gartenabfälle abgeben. Auch aus städtischen Gartenbetrieben werden sie beliefert. Beispielsweise landet all das Laub, das im Herbst mit den wunderbar nervigen Laubbläsern zusammengepustet wird, hier (übrigens meiner Meinung nach der einzig sinnvolle Einsatz dieser Geräte, da die Arbeitenden stundenlang die gleiche Aufgabe machen und es eine große Arbeitserleichterung ist). Und auch Rasenschnitt aus den großen Grünflächen in Parks wird hier verwertet. Dabei wird freilich auch all das Plastik mit eingesammelt, das die Menschen unachtsam oder willentlich in die Natur geworfen haben. Für solche Fälle gibt es im Kompostierwerk natürlich Filteranlagen. Jedoch kann der Kunststoff hier nie restlos entfernt werden. Manche Teile sind einfach schon viel zu klein. Und so landet das, was wir am allerwenigsten in unserem Kompost haben wollen, eben doch darin.

So kommt Plastik in den Komposthaufen

Wer nun glaubt, dass man mit dem eigenen Komposthaufen besser dran ist, hat nur bedingt recht. Denn auch zu Hause kann selbst bei der größten Vorsicht Kunststoff im Komposthaufen landen. Denn leider ist Kunststoff heute allgegenwärtig, auch im Garten. So können Plastikteile von Schaufelgriffen abplatzen, Pflanzschilder von neu gekauften Pflanzen wegwehen und auch vom Rasenmäher blättert mit dem Alter die Farbe ab (selbst, wenn das nicht direkt unter die Kategorie Kunststoff fällt). Wir schützen unser Gemüse mit Folien vor Schädlingen und der Witterung. Letztere setzt dem Material zu und irgendwann wird es brüchig. So landen Einzelteile von den in die Jahre gekommenen Gartenhelfern zusammen mit dem alten Laub, mit dem Rasenschnitt und mit dem Rückschnitt der Stauden schnell auf dem Komposthaufen.

Tristan auf dem alten Komposthaufen
In unserem Kleingarten in Hamburg gab es einen winzigen, uralten Komposthaufen. Da er schnell überquoll musste bald ein neuer her.

Wer jetzt glaubt, dass Bioplastik eine bessere Lösung wäre und das Material sogar auf den Komposthaufen wirft, irrt sich gewaltig. Auch wenn auf dem Material oft steht, dass es aus natürlichen Materialien hergestellt wird (Erdöl ist auch natürlichen Ursprungs!) und ggf. sogar kompostierbar ist, sind hier oft industrielle Kompostieranlagen gemeint, in denen die nötige hohe Temperatur erreicht wird, und nicht der heimische Komposthaufen¹. Und ja, ich hab das Zeug auch schon aus dem Komposthaufen holen müssen…

Kunststoff im Komposthaufen
Auch Bioplastik gehört nicht auf den Komposthaufen. In dem alten Komposthaufen haben wir neben herkömmlichen Plastik auch Bioplastik gefunden, das sich im Prinzip zersetzen sollte. Nun, offensichtlich tut es das nicht…

Was ist Mikroplastik und warum ist es problematisch?

Aber wo steckt jetzt bei dem Kunststoff das eigentliche Problem? Zuallererst ist Kunststoff nicht gleich Kunststoff. Es gibt unzählige Sorten aus unterschiedlichsten Materialien und mit unterschiedlichen Zusätzen. Problematisch sind beispielsweise Zusätze wie Weichmacher, die das Material geschmeidiger und biegsamer machen. Weichmacher entweichen mit der Zeit aus den Kunststoffen und können ähnlich wie Hormone wirken und auch Wasserorganismen schädigen, wenn sie ausgewaschen werden.

Durch die UV-Strahlung des Tageslichts zersetzen sich Kunststoffe in immer kleinere Teile. Diese Teilchen werden ab 5 mm und darunter als Mikroplastik bezeichnet. Mikroplastik ist irgendwann kaum noch zu sehen. Tiere nehmen es als vermeintliche Nahrung auf und verhungern, da in Kunststoff natürlich keine Nährstoffe enthalten sind. Und unsere Gemüsepflanzen? Die nehmen Mikroplastik mit den Wurzeln auf, reichern es in Blättern und Knollen an² und transportieren es so weiter auf unsere Teller. Tja, und Mikroplastik wollen wir genauso wenig wie die Tiere essen.

Entstehungsprozess des Komposthaufens im Kleingarten
Aus alten Paletten haben wir im Kleingarten Stück für Stück den neuen Komposthaufen aufgebaut.
Komposthaufen im Kleingarten
Im Hintergrund der fertige Komposthaufen und im Vordergrund die Reste des alten Komposthaufens.

Was können wir dagegen tun?

Da wir das Problem mit dem Mikroplastik im Kompost vermutlich auf absehbare Zeit nicht vollkommen verhindern können, müssen wir schauen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen. Förderlich ist es natürlich, wenn wir möglichst wenig Plastik im Garten nutzen: Gartengeräte nur aus Metall und Holz, Folien aussortieren und alles Plastik, das irgendwie in Kontakt mit unseren Pflanzen steht (z.B. die Schildchen beim Kauf) direkt in der Wertstofftonne entsorgen.

Taucht das Plastik im Kompost oder bereits in der Gartenerde auf, hilft nur sammeln, sammeln, sammeln. Und lieber früher sammeln, als später, denn jeder Tag am Licht setzt dem Kunststoff zu und lässt ihn weiter zerfallen. Gemeinerweise (oder eher glücklicherweise?) hilft kaltes Wetter im Winter: Frost sorgt dafür, dass feste Teile in der Erde hochgedrückt werden. So wandern auch große Feldsteine Jahr für Jahr an die Oberfläche der Äcker der Landwirte. Und was bei großen Steinen funktioniert, funktioniert auch bei Feststoffen in der Gartenerde. Neben Kunststoff lassen sich dann auch Überbleibsel der vorangegangenen Gartengenerationen finden: Ton- und Glasscherben, Schrauben, Drähte, Kronkorken und weitere Dinge, die man sich gar nicht vorstellen kann (immerhin wurde auch viel Schutt der beiden Weltkriege im Erdboden versenkt).

Müll, der mit der Zeit aus der Erde gedrückt wird
Porzellanscherben, Glas, Draht und der obligatorische Kunststoff werden mit der Zeit aus der Erde gedrückt. Regelmäßiges Absammeln lohnt sich sehr.

Wir sammeln also fleißig weiter bei jedem Gartenrundgang die Beete ab und haben bei so ziemlich jedem Mal das ein oder andere Stück in der Hand, das direkt dorthin wandert, wo es hingehört: in die Mülltonne.

Für ganz Eifrige, oder wenn der Gartenboden sehr mit Mikroplastik verunreinigt ist, hilft vielleicht auch das Anpflanzen der ein oder anderen Birke. Denn unlängst haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Birken mit ihren Wurzeln nicht nur Schwermetalle aus dem Boden filtern, sondern auch Mikroplastik³. Und schön aussehen tun sie allemal.

Welche Erfahrungen mit Plastik im Kompost habt ihr denn bisher machen müssen? Ist es auch bei euch ein häufiges Problem oder kommt es eher selten vor? Erzählt doch mal! :)

Bis bald!

Eure Kathleen

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Quellen:

¹ https://enorm-magazin.de/wirtschaft/plastik/bioplastik-kompostierbares-plastik

² https://taspo.de/gruene-branche/neue-studien-gemuese-und-obst-mit-mikroplastik-verunreinigt/

³ https://www.scinexx.de/news/biowissen/birken-entfernen-mikroplastik-aus-dem-boden/

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